kardinal woelki

Proclamandum zu ersten Konsequenzen aus der MHG-Studie, verlesen in allen Gottesdiensten am 06./07.10.2018

Köln, 4. Oktober 2018

Liebe Schwestern und Brüder,

die Veröffentlichung der im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erstellten Missbrauchsstudie in der vorigen Woche hat zutiefst erschreckende Erkenntnisse zutage gefördert. Geistliche haben Minderjährigen großen Schaden zugefügt und damit schwere Schuld auf sich und auf die gesamte Kirche geladen, die dann selbst auch noch viel zu oft das Wohl der Institution über das Wohl des Einzelnen stellte.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich haben diese Ergebnisse schwer erschüttert. Mit diesem Wissen fällt es mir nicht leicht, Betroffenen gegenüber zu treten. Allenfalls anfanghaft vermag ich zu erahnen, welch großes Leid ihnen durch Diener der Kirche angetan und wieviel Schmerz ihnen zugefügt worden ist. Nicht zuletzt deshalb frage ich mich immer wieder neu, was ich, was wir als Kirche tun können, um Betroffenen zu helfen. Was können wir als Kirche tun, damit die Leidtragenden vielleicht einmal erwägen, zu verzeihen?

Angesichts all dessen kann und will ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Vielmehr bedarf es konkreter Taten der Aufarbeitung. Als Erzbischof fühle ich mich besonders verpflichtet, dafür Sorge zu tragen.

Es ist mir wichtig, dass sich unser Kölner Erzbistum dieser Wahrheit stellt – auch wenn sie schmerzlich ist. Es ist spätestens jetzt nötig, die Betroffenen zu hören, ihre Erfahrungen ernst zu nehmen und in unser künftiges Handeln deutlich stärker als bisher miteinzubeziehen.

In den kommenden Wochen werde ich daher einen Betroffenenbeirat einrichten und weiter die Begegnung mit Betroffenen suchen.

Zudem müssen alle Beschuldigungen ungeschönt und ohne falsche Rücksichten aufgeklärt werden. Dazu werde ich externe, unabhängige Fachleute mit einer Untersuchung beauftragen, die frei von einer möglichen kirchlichen Beeinflussung unser eigenes, institutionelles Verhalten auf mögliche Versäumnisse oder Versagen in der Vergangenheit hin prüfen werden.

Diese Seite der Aufklärung bedarf einer Ergänzung durch eine erneute, bewusste Hinwendung zu Gott durch das Gebet für die Betroffenen und unser ganzes Erzbistum. Gott kann auch da Heilung- und Zukunft schenken, wo unsere Möglichkeiten begrenzt oder unzureichend sind. Er ist größer als das Versagen in seiner Kirche und er wird gerade denen, die von ungerechter Gewalt betroffen sind, Gerechtigkeit verschaffen. Dabei will ich als Erzbischof durch Gebet und konkrete Taten mitarbeiten.

Dankbar bin ich für Ihr mitsorgendes Gebet und Ihre Achtsamkeit im respektvollen Umgang miteinander.

Es segne und stärke Sie und alle, für die wir Verantwortung tragen, der allmächtige und barmherzige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Ihr

Rainer Maria Kardinal Woelki

Erzbischof von Köln

Wort des Bischofs vom 22.09.2018 zur MHG-Studie als Video

Eine Textfassung finden Sie hier: >>>>

Zu den Ergebnissen der MHG-Studie wird es in der kommenden Woche zwei wichtige Pressekonferenzen geben:
Die der Deutschen Bischofskonferenz können Sie über die Homepage der DKB mitverfolgen.

Erzbistum Köln veröffentlicht Ergebnisse der Missbrauchsstudie >>>>

Zusätzlich wird für Betroffene ab Dienstag, dem 25. September 2018, 11.00 Uhr eine zentrale Telefon- und Online-Beratungsmöglichkeit der Deutschen Bischofskonferenz freigeschaltet sein. Deren Telefonnummer lautet 0800/0005640. Die entsprechenden Links für die Online-Beratung finden Sie auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz.

Zudem finden Sie hier die Kontaktdaten der externen Ansprechpartner des Erzbistums Köln für Betroffene.


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Augen auf - hinsehen & schützen
Kultur der Achtsamkeit

Seit bekannt werden der Missbrauchsfälle im Jahr 2010 hat die katholische Kirche die Maßnahmen zur Prävention sexualisierter Gewalt intensiviert.

Durch die 2013 überarbeiteten Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch und die Rahmenordnung Prävention der Deutschen Bischofskonferenz ist für die katholische Kirche in Deutschland eine einheitliche Grundlage geschaffen worden. Diese wird stetig weiterentwickelt.

Prävention sexualisierter Gewalt ist zum integralen Bestandteil der kirchlichen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen geworden.

Kirche soll für Kinder und Jugendliche ein geschützter Raum sein, in dem sie sich sicher fühlen und sich gesund entwickeln können. Dafür setzen wir uns auch hier in der Stadtpfarrei St. Martin in Euskirchen ein. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende haben Schulungen mitgemacht, in denen das eigene Verhalten im Umgang mit Heranwachsenden behandelt wurde. Darüber hinaus wurden Wege und Möglichkeiten aufgezeigt, wie Kindern und Jugendlichen, die Gewalterfahrungen gemacht haben, in angemessener Weise begegnet werden kann. Alle Teilnehmer/innen haben eine schriftliche Selbstverpflichtungserklärung abgegeben.

Wenn Sie dennoch einen konkreten Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch eine/n Mitarbeiter/in haben oder selbst Opfer von sexualisierter Gewalt durch eine/n Mitarbeiter/in der Gemeinde St. Martin geworden sind, können Sie sich direkt an Diakon Werner Jacobs, der strenge Vertraulichkeit zusichert, wenden:

jacobs2010Präventionsbeauftragter im Sendungsraum St. Martin-Bleibach/Hardt

Diakon Werner Jacobs

Tel. 0 22 51/14 65 47

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