Kaplan Theodor Kellermann - Unvergessener Held von Euskirchen

 

Kaplan KellermannTheodor Kellermann wurde am 22. Oktober 1911 in Essen geboren, am 3. März 1938 mit 26 Jahren in Köln zum Priester geweiht und kam während des Krieges im Juli 1940 als junger Kaplan an die Herz-Jesu-Kirche nach Euskirchen. Kaplan Kellermann war von Anfang an beliebt, er besaß eine große Ausstrahlung und nahm seinen christlichen Auftrag ernst.
 
Kellermann Eingang Kirche mohr
Kaplan Kellermann am Eingang von Herz Jesu (nicht datiert)
 
Er half Kriegsflüchtlingen und kümmerte sich intensiv um Kranke und Sterbende. Sein sozial-karitatives Wirken stieß bei den Nazis auf Missbilligung. Kaplan Kellermann wurde verhaftet und kurzzeitig in einem Kölner Gefängnis festgesetzt.
Die systematische Zerstörung Euskirchens aus der Luft begann am 29. September 1944 mit einem Großangriff, in dessen Inferno 350 (!) schwere Bomben auf die Stadt niedergingen.
Von diesem Tag an wurden fast täglich Luftangriffe mit dem vorrangigen Ziel des Euskirchener Bahnhofs geflogen. Kellermann schloss sich einem Sanitätstrupp an, der Verschüttete ausgrub, Opfer barg und Sterbenden Beistand leistete. Dieser Hilfsorganisation gehörte auch der Elektromeister Willi (Ohm) Mirgel an, der wegen seiner Schwerhörigkeit vom Kriegsdienst frei gestellt war.
 
 Kaplan Kellermann Foto Festschrift Herz Jesu
 Zwischen Luftangriffen: Kaplan Kellermann (2. vl) mit Helfern
 
In der damaligen Zeit ohne Funk oder Mobiltelefon gab es keine Möglichkeit für einen Nothelfer, den Ort eines Unglücks schnell zu erfahren, es sei denn, er sah es mit eigenen Augen. Aus diesem Grund suchte Kellermann nie den Luftschutzkeller auf, mutig beobachtete er von seiner Haustür aus die Einschläge der Bombenteppiche. So war er häufig der Erste, der sich mit seinem Fahrrad zur Rettung Verschütteter einfand.
Der groß gewachsene Kaplan war körperlich außerordentlich leistungsfähig. Nach einem Großluftangriff am 7. Oktober 1944, der vor allem die Kommerner Straße in Schutt und Asche legte und bei dem 59 Menschen getötet wurden, vollbrachte er nach Berichten von Augenzeugen übermenschliche Leistungen. Viele Euskirchener verdankten ihm ihr Leben.
Eine große Zahl von Bürgern verließ in diesen Tagen die Stadt und suchte Sicherheit in Thüringen. Auf dem Weg begleitete sie der damalige Pastor der Herz-Jesu-Kirche Hermann-Josef Körfer.
Kaplan Kellermann blieb. Oft begab er sich bei seinen Rettungsaktionen in Lebensgefahr und wurde beim Einsturz von Decken und Mauern teils selbst verschüttet.
herz jesu zerstoert stadtarchiv euskirchen
 
Am Heiligen Abend 1944 fielen bei einem erneuten Großangriff 80 Bomben auf die Stadt und richteten vor allem in den Bereichen Billiger-, Münstereifler- und Roitzheimer Straße große Verwüstungen an. 24 Menschen starben. Die Herz-Jesu-Kirche wurde von einer Luftmine getroffen.
zerstoerter chorraum stadtarchiv euskirchen
In einem Brief an die Euskirchener Gemeinde in Thüringen schilderte Kellermann seine Kirche nach dem Angriff als einen Ort des Grauens. Das Gewölbe war komplett eingestürzt und in der Kirche türmte sich meterhoher Schutt.
50 Jahre später erinnerte sich Helene Bölingen, die Tochter des damaligen Küsters Peter Josef Bölingen, später selber Küsterin an der Kirche St. Matthias, gegenüber der Kölnischen Rundschau und dem Wochenspiegel, dass einzig der Betstuhl Kaplan Kellermanns das Chaos überstanden hätte. Sie sei über Schuttberge im zerstörten Innenraum der Kirche geklettert und auf der völlig von Staub und Schutt bedeckten Skulptur des Judas Thaddäus (Die Statue des Judas Thaddäus findet sich heute in einem Winkel der Antoniuskapelle links neben dem Haupteingang der Herz-Jesu-Kirche) ausgerutscht. Dabei sei sie Kaplan Kellermann begegnet, der wie immer nach Bombenangriffen mit dem Rad unterwegs war, um bei der Bergung Verschütteter oder Umgekommener zu helfen.
In dieser Weihnachtsnacht fand unmittelbar nach der unfassbaren Zerstörung des Gotteshauses die Christmette in der Sakristei an der Stelle der heutigen Franziskuskapelle statt. Nur 13 Gläubige hatten sich zur Teilnahme aus ihren Häusern gewagt. Pastor Koerfer habe anfangs noch versucht, Zuversicht zu vermitteln, sei aber dann beim Anstimmen des Lieds „Es ist ein Ros entsprungen“ in Tränen ausgebrochen und habe geweint wie ein Kind.
In der Folgezeit fanden die Gläubigen zur Feier ihrer Gottesdienste Asyl im Casino.
Am 2. Februar 1945 flogen die Bomber wie in den meisten Fällen um 9.00 Uhr morgens das Stadtgebiet an.
Kaplan Kellermann stand auf seinem Beobachtungsposten in der Haustür seiner Wohnung auf der Kessenicher Straße 103, als ein Volltreffer die beiden gegenüberliegenden Häuser 96 und 98 dem Erdboden gleich machte. Dabei wurde Kellermann von einem Bombensplitter getroffen. Man brachte ihn schwer verletzt auf einer Karre ins Reservelazarett in den Erlenhof. Nach erfolgter Notoperation wurde er auf die Burg Kirspenich verlegt, wohin Personal und Kranke des Marienhospitals nach dessen Zerstörung im Dezember 1944 ausgelagert worden waren.
Kurz vor seinem Tod bat der Sterbende die Schwestern, mit ihm das Lied anzustimmen: „Fest soll mein Taufbund immer stehen“.
Er starb am Morgen des 3. Februar 1945 im Alter von 33 Jahren.
 
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Das Andenken an den mutigen Priester und Menschenfreund wird in Euskirchen hochgehalten. Eine Straße und die Realschule tragen seinen Namen. In der Herz-Jesu-Kirche erinnert eine Gedenktafel an den unerschrockenen Kaplan.
Text: Dr. Elisabeth Bachem
 
Flyer über Kaplan Kellermann: >>>>
 
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Herausgeber:
Pfarrgemeinderat St. Martin
Dr. Hans-Josef Bastian / Dr. Elisabeth Bachem
Kirchstraße 15
53879 Euskirchen
 
Quellen:
Festschrift Kaplan Kellermann von Wolfgang Mohr, 2011
Kölnische Rundschau/Kölner Stadtanzeiger vom 02.02.1985, Autor: Manfred Lang
Euskirchener Wochenspiegel vom 21.12.1994,
Autor: Franz-Josef Vogt
Festschrift zum 100. Jubiläum der Herz-Jesu-Kirche, 2009
Foto Grabstätte: Arnolds, restliche Fotos:
Stadtarchiv Euskirchen