Titelbild

 

Allen Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männer ein herzliches Dankeschön für die Bereitschaft, bei diesem Projekt mitzuwirken.

Ein besonderes Danke geht an Hermann Josef Kesternich für die Festschrift, die die Umsetzung dieses Kreuzweges ermöglichte.

 

Veröffentlicht auf facebook und Katholisch.Euskirchen auf Instagram


Erläuterungen der Künstlerin Gabriele Latzke zu den einzelnen Stationen:

Station 1 Jesus ist gefangen und gefesselt

Station 1Er kann seinem Geschick nicht mehr entgehen. Der Stab wird über ihn gebrochen und die Dornenkrone deutet die Verhöhnung als König der Juden an, gleichzeitig auch seine Leiden unter der Folter. Der Verrat an ihm durch Petrus wird durch die 3 schattenhaften Hähne dargestellt. Sein Blick ist nach innen gerichtet: er weiß, dass er sich auf diesen schweren Weg begeben muss, ohne auf Rettung durch Mitmenschen hoffen zu können. Der seelische Blickkontakt ist nicht mehr da. Auch wenn er im Moment in größter Angst zweifelt, so ist Gott doch anwesend. Im Hintergrund begleitet er bildhaft als Dreifaltigkeitsauge den Leidens- und Erlösungsweg Jesu.

Station 2 Jesus nimmt das Kreuz auf sich

Station 2

Die Entscheidung ist gefallen und Jesus nimmt aktiv die ihm gestellte Aufgabe an. Die Lanzenspitzen deuten die Unerbittlichkeit des Urteils und seiner Vollstrecker an. Als Rückenfigur, sozusagen für uns, als die auf Erlösung Harrenden, streckt er die Arme nach der Weltenlast aus. Er tut es für uns, sein Blick wird zu unserem.


Station 3 Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Station 3

Jesu Gesichtsausdruck zeigt seine Schmerzen an, er ist Mensch, er leidet. Sein Blick sucht Gott oder auch einen Mitmenschen, der Erbarmen hat. Gleichzeitig drohen die Lanzenspitzen, die auf sein Herz zielen; jederzeit können sie willkürlich zustechen.

Die johlende, höhnende, unbarmherzige Menschengruppe ist kalt grau, lebensfeindlich blutleer und frönt ihrer Sensationslust. Der Einzelne schützt sich feige in der Masse und verliert damit das, was den Menschen zum Mitmenschen macht: Liebe, Mitgefühl, seine Persönlichkeit.


Station 4 Jesus begegnet seine Mutter

Station 4

Bei 3 Stationen besteht ein direkter Kontakt zwischen Jesus und anderen Menschen: als er seiner klagenden Mutter begegnet, Veronika ihm das Schweißtuch reicht und Jesus den klagenden Frauen begegnet. Bei diesen Stationen wird die Szene wie mit einem Teleobjektiv in die Nähe geholt. Die agierenden Personen werden zu individuellen Menschen durch ihre Fähigkeit des Mitgefühls, der Liebe, des Mitleidens und ihrem Mut, sich aus der Masse heraus zu bewegen und mit einem Ausgegrenzten solidarisch zu sein.

Den Schmerz einer Mutter angesichts ihres leidenden Kindes darzustellen war mir neben dem Gesichtsausdruck vor allem durch das formale Mittel der Vergrößerung und räumlichen Verzerrung der Haltung Marias möglich. Zur Zuschauerin verurteilt, möchte sie ihren leidenden Sohn umfangen und schützend in die Arme nehmen, wie eine tröstende Mutter es mit ihrem Kind tut. Ihr flehender Gesichtsausdruck spiegelt gleichzeitig ihren Schmerz wieder, denn sie weiß, dass der Weg ihres Sohnes in den Tod führt.

Jesu Gesicht spiegelt die Gefühle eines liebenden Sohnes wieder, der die Angst seiner Mutter kennt und machtlos ist. Nur eine sanfte und tröstende Berührung der mütterlichen Hand ist möglich, aber daran liegt seine ganze Liebe. In diesem Moment scheint das eigene Leid unerheblich, er ist nicht gebeugt unter der Last des Kreuzes.


Station 5 Simon hilft Jesus, das Kreuz zu tragen

Station 5

Unfreiwillig, weil von den Soldaten gezwungen, stützt Simon halb von Mitleid, halb vom Unwillen geplagt, so auch nur halbherzig das schwere Kreuz, dessen größte Last weiterhin auf Jesu Schulter liegt. Zwischen Jesus und Simon entsteht kein Blickkontakt. Simon ist sicher kein böser Mensch, aber es ist ihm unangenehm, mit einem Verbrecher in direkte Berührung zu kommen. Seine Sorge um sein Ansehen ist größer als sein Mitleid.

Im Hintergrund droht die Phalanx der Soldaten wie eine Mauer, die jeden Fluchtgedanken Simons zunichtemachen. Sein Blick ist ausweichend, er windet sich.


Station 6 Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Station 6

Veronika kommt aus der Welt (grünes Kleid), für die Jesus sein Leben gibt. Sie verkörpert die Liebe im Menschen, an die Jesus glaubt. Hier entsteht ein inniger Blickkontakt, die beiden Menschen sind in das Zentrum des Bildes gerückt. Das Mitgefühl und der Mut Veronikas trösten Jesus und seine Handhaltung drückt seine Dankbarkeit aus. Der Himmel im Hintergrund leuchtet auf.


Station 7 Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Station 7

Der zweite Sturz ist schwerer, die Kraft lässt nach, das Gewicht des Kreuzes drückt Jesus tiefer zu Boden. Sein Blick sucht keine Hilfe mehr, sondern richtet sich auf den Boden. Gottes Auge wird teilweise verdeckt von den unbarmherzig drohenden Lanzenspitzen. Am Horizont ziehen dunkle Wolken auf.


Station 8 Jesus begegnet den klagenden Frauen

Station 8

Jesus mahnt die Frauen, sich nicht ihrem selbstsüchtigen Klagen hinzugeben und um ihn zu trauern, sondern achtsam zu sein und sich Gedanken zu machen. Indem er sich liebevoll dem Kind zubeugt, scheint auch er Trost zu fühlen weil die Unvoreingenommenheit des Kindes im Gegensatz zum aus Vorurteilen genährten Hass der Erwachsenen steht. Damit die Kinder nicht genauso verderben, müssen die Erwachsenen selbstkritisch mit sich ins Gericht gehen.


Station 9 Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Station 9

Jesus liegt am Boden mit geschlossenen Augen und zusammengekrallten Händen, die ihn nicht mehr aufstützen können. Das Kreuz scheint ihn regelrecht fest zu keilen, und obwohl er ganz offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, das Kreuz zu tragen, drohen unerbittlich die Lanzenspitzen, von unbarmherzigen und sadistischen Menschen auf ihn gerichtet. Die Landschaft im Hintergrund zeigt stürzende Linien, der Himmel verdunkelt sich weiter. Jesus ist allein.


Station 10 Jesus wird seiner Kleider beraubt

Station 10

Wenn ein Mensch in der Öffentlichkeit seiner Kleider beraubt wird, so beraubt man ihn seiner Würde. Jesus versucht seine Blöße zu verdecken, indem er sich klein macht, mit gesenktem Kopf seine Arme um den nackten Leib schlingt und seine Augen niederschlägt.

Unerträglich ist der Spott der Menge, die sich in der Dunkelheit der Sünde und seelenlosen Dummheit versteckt. Um die geraubten Kleider wird ein skrupelloses und kaltes Glücksspielbetrieben (Würfel).

Auch das hat eine Unerbittlichkeit, denn es besagt: du wirst deine Kleider nie mehr wiederbekommen, denn du brauchst sie nicht mehr, weil du sterben wirst.


Station 11 Jesus wird an das Kreuz genagelt

Station 11

Jesus sucht in der Ferne Gottes Blick, fragend: mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Kalt glänzen die Nägel, der schwere Hammer neben dem ungeschützten, ausgestreckt auf dem Kreuz liegenden Körper, verdeutlicht die rohe Gewalt der Kreuzigung. Sein verwundbarer Körper ist schutzlos seinen Folterern ausgeliefert. Alles Licht ist aus dem Himmel gewichen, die Nacht verdunkelt die Erde.


Station 12 Jesus stirbt am Kreuz

Station 12

Alles leben ist aus Jesu Körper gewichen, das Blut in seiner Wunde noch frisch. Noch ist sein Gesicht gezeichnet vom Leiden. Die Landschaft im Hintergrund im nun symmetrisch stehenden Kreuz hat eingeebnete Linien, es ist, als ob alles still stehe. Der Himmel ist mit dunklen Schleiern verhangen, hinter dem sich aber schon ein Licht andeutet.

Zusammengerückt versuchen sich Johannes, Maria und Magdalena Halt und Trost zu geben, während die Schächer die Stunde der Erlösung in ihrem Rausch verschlafen.


Station 13 Jesus wird vom Kreuz genommen Pieta

Station 13

Die Kreuzabnahme ist die Erlösung von Leiden und Schande. Die Welt wird versöhnt mit Gott. Der Himmel klärt auf, die Landschaft mit harmonisch geschwungenen Linien ist in ein warmes Licht getaucht. Das Licht der Erlösung hellt auch den bisher dunklen Hintergrund auf.

Endlich kann Maria ihren Sohn umfangen. Sein Gesicht ist entspannt, das Leiden vorbei. Marias Gesicht noch gezeichnet von der Trauer, doch voller Liebe für ihren Sohn und auch Dankbarkeit, dass sein Leiden ein Ende hat.


Station 14 Jesus wird ins Grab gelegt

Station 14

Die Grablegung als 14. und letzte Station zu malen, erschien mir zunächst schwierig, weil ich zu sehr den Aspekt der kalten dunklen Gruft vor Augen hatte und mir der Blick auf den lebenschöpfenden Aspekt dieser Szene verstellt war. Doch der symbolische Charakter, den die Grablegung wie eine Keimlegung in Erde hat, um neues Leben wachsen zu lassen, wurde mir im diesbezüglichen Gespräch mit Pfr. Prümm klar.

Verschwunden ist nun die dunkle Nacht (Hintergrund), das Kreuz als transparente Form angedeutet, es bleibt präsent als Metapher für die Erlösung. Jesus ruht in der warmen Erde, sein Gesicht ruhig und entspannt. Und wie aus einem Samenkorn eine neue Pflanze keimt, so geht aus der Grablegung Jesu ein neues lichtes Leben hervor. Der Regenbogen überspannt die Welt als Zeichen der Versöhnung mit Gott.