Gregorius Gilde

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Im Sommer 1946 wurde der Marinepfarrer Josef Schaefer (geb. 1905) als Rektor an das Marienhospital und zugleich als Subsidiar an St. Martin berufen. In einem Beitrag für eine nie fertiggestellte Chronik hat er geschildert, wie ihm beim ersten Besuch der Martinskirche das Bild aufstieg: "Da vorne an den Chorstühlen müsste sonntags eine Choralschola stehen, Jungen und Männer, und einen schönen flüssigen Choral singen." Am Herbstkirmes-Sonntag des gleichen Jahres war seine Vision Wirklichkeit geworden, die Gregorius-Gilde sang zum ersten Mal im Hochamt.

Seitdem gehörte die Sängerschar, in weißen Gewändern mit roten Streifen um das große Chorpult versammelt, für etliche Jahre zum Gottesdienst in St. Martin. Die Knabenchoralschola pflegte eine musikantisch lebendige Art des Chorals, wie er bei den Mönchen in Maria Laach gesungen wurde. Aus der Schola entwickelte sich - nach dem Stimmbruch der ersten Sänger - bald ein gemischter Chor, der sich der mehrstimmigen Kirchenmusik, vornehmlich der altklassischen Polyphonie, widmen konnte. Bekannt und beliebt waren seinerzeit die sogen. "Abendrüsten": thematisch gestaltete Chor- und Orgelmusik (meistens mit Jakob Schaeben), in deren Mittelpunkt immer die Komplet, das liturgische Nachtgebet der Kirche, stand.

Unter der fachlichen Mit-Leitung von Werner Kremp entwickelte sich die Gilde zu einem leistungsfähigen Chor, der - auch mit deutschen Volksliedern - in den 50er Jahren auf alljährlichen Chorfahrten in Deutschland und im benachbarten Ausland für Musik und Verständigung zugleich warb.

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Chores war die Teilnahme am internationalen Treffen von mehr als 6000 Sängerknaben (Pueri Cantores) in Paris im Juli 1956.

Als Rektor Schaefer zum Pfarrer in Grau-Rheindorf ernannt wurde, übernahm Walter Kremp, später Hajo Werner die Leitung (bis 1961). Josef Schaefer starb als Pfarrer in Kalscheuren im Jahre 1965. ER war ein Mensch von großer Ausstrahlung und ein ebenso begeisterter wie begeisternder Liebhaber der gesungenen Kirchenmusik. "Schabo", wie er genannt wurde, ist bis heute bei vielen Sängern in lebendiger Erinnerung geblieben.

Manche von ihnen blieben in verschiedenen Chören oder Scholen der Gregorianik verbunden und fanden sich am 30. September 1990, dem 25. Todestag von Josef Schaefer zusammen, um - geleitet von Hajo Werner - in St. Martin das Jahrgedächtnis als Choralamt zu begehen. Seitdem pflegt die Gregorius-Gilde, inzwischen um Sänger gewachsen, die nicht der ersten Generation angehören, wieder den Choralgesang in ihrer alten Tradition. In und um Euskirchen und nicht zuletzt in der Basilika Steinfeld ist sie ein gern gehörter Gast. 1)

Neben der Pflege des traditionellen lateinischen Hochamts haben sich in den letzten Jahren weitere Aufgaben eröffnet:

Zusammen mit dem Johannes-Chrysostomus-Chor gestaltet die Gilde regelmäßig ein "Abendlob der Westkirche und der Ostkirche", wo in einem einheitlichen liturgischen Rahmen - die musikalischen Traditionen zweier alter Kulturkreise in einem überaus reizvollen Kontrast gegenüberstehen.

Mit Markus Goecke, Organist an St. Martin, widmet sich die Gilde gelegentlich der Wiederbelebung der sogen. alternatim-Praxis, in der einstimmiger Choral und mehrstimmige Orgelmusik vers- oder strophenweise einander abwechseln.

Neuesten Datums sind die Weihnachts-Meditationen in St. Martin mit dem Literaturwissenschaftler Dr. Christian Eschweiler: adventliche Gesänge und poetisch-literarische Ausführungen zu einem bestimmten Thema gestalten (mit großem Erfolg) eine besinnliche Einstimmung in das Weihnachtsfest.

1) Quelle: Schneider/Werner, Chormusik in Euskirchen, in: 700 Jahre Stadt Euskirchen 1302-2002, Euskirchen 2002, S. 454 f.

Kontakt: Dr. Hajo Werner

Tel.: 0 22 51/5 17 88