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Dialog-Forum
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Aktuelles Thema:
Die Kirchenaustrittszahlen steigen - auch bei uns
Warum sind SIE gerne Mitglied der Kirche?
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10 Gründe, warum er trotz Krise gerne katholisch ist, hat der Journalist und Augustinerpater Roger Gerhardy OSA aufgeführt:
Was war das für ein herrliches Gefühl, als Kardinal Ratzinger zu Benedikt XVI. wurde: "Wir sind Papst!", titelte die BILD-Zeitung stolz. Innerhalb weniger Wochen scheint dieses Gefühl nun zerstört. Das Image der Kirche ist schwer beschädigt. Dennoch gibt es unzählige Gründe, warum ich trotz Krise im Vatikan gerne katholisch bin.
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Durch die katholische Kirche bin ich ans Christentum gekommen. Es gibt mir die Gewissheit, dass ich so unverwechselbar und einmalig, wie ich mich nun einmal vorfinde, von Gott gewollt, geschaffen und geliebt bin, trotz meiner Fehler.
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In den Sakramenten der Kirche ist die ganze Bandbreite meines Daseins aufgehoben, von der Geburt bis ins Sterben, von meiner Weltverantwortung bis zu meinem Versagen. Nichts an und in mir ist untauglich und unwürdig für Gott. Toll.
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Meine Eltern gaben mir das Leben, lehrten mich laufen und beten. Der Glaube an die Auferstehung von den Toten schenkt mir die Gemeinschaft mit ihnen auch über das Grab hinaus. Darüber freue ich mich.
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Ich feiere gerne Liturgie, und zwar das lateinische Hochamt mit gregorianischem Choral ebenso wie eine Gipfel- oder Geländemesse irgendwo am Wege. Diese Bandbreite habe ich nur in meiner Kirche.
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In unserer Wallfahrtskirche steht eine moderne Marienstatue. Der kleine Jesus spielt im Schoß seiner Mutter. Da schien bei meinem letzten Sonntagsgottesdienst einem Dreijährigen noch Platz für ihn zu sein, und er enterte Mariens Schoß. Oma fing ihn gerade noch ein. Schade, dachte ich; aber so was gibt’s nur bei uns Katholiken.
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Als ich jung war, galt ein uneheliches Kind noch als große Schande für die ledige Mutter. Als unser Pfarrer dann erstmals bei der Taufe so ein Kind freundlich als neues Gemeindemitglied begrüßte, schäumten die Gerechten. Ich begann damals zu ahnen, was mit der Liebe Gottes gemeint sein kann.
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Bei der Priesterweihe eines Kandidaten aus unserem Dorf durfte ich als Zehnjähriger im Dom dabei sein. Ich mogelte mich in den Altarraum und kam neben einen Domherrn zu sitzen. Ich musterte den bunt angezogenen Mann, der grinste und ließ mich in sein Buch schauen. Damals verlor ich meine Scheu vor Hierarchen.
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Seit 1965 bin ich Mitglied des Augustinerordens. Hier habe ich als Journalist ebenso meinen anerkannten Platz wie der Koch, der Sakristan oder der Universitätsprofessor. In diesem Sozialismus habe ich eine sichere Heimat.
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Im Laufe meines Lebens habe ich in der Kirche viele Menschen kennengelernt; nachhaltig suchende, überzeugend glaubende, manche waren leider ein Hindernis für mein Leben und für meinen Glauben. Aber alle zusammen sind sie mir unersetzlich.
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Der Papst ist für mich der Papst, und nicht der liebe Gott. Für mein Leben trage ich die Verantwortung und nicht der Träger des Petrusamtes. Ich habe den Glauben nicht durch einen Papst empfangen, von daher kann ich ihn nicht wegwerfen, wenn ein Papst einmal einen Fehler macht. Konkret wünsche ich ihm bessere Berater. Doch trotz des derzeitigen Tohuwabohu ist es aus den zehn genannten Gründen für mich schön, katholisch zu sein.
P. Roger Gerhardy OSA (Quelle: www.Glaubenslust.de)
Warum sind SIE gerne katholisch? Über Ihre Antworten freuen wir uns sehr!
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Hier könnte auch Ihre Meinung stehen!
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Zuschrift vom 08.07.2010:
Warum in der Kirche bleiben?
In der katholischen Kirche bin ich getauft worden auf Jesus Christus. Ihm kann ich unmittelbar und direkt begegnen im gemeinsamen Mahl, in der Gemeinde, im Nächsten, im Leben bei Freund und Feind, in den anderen christlichen Gemeinden und Kirchen, die sich zu dieser Taufe bekennen. Unser alleiniger Mittler zum Vater ist Jesus Christus. In seinem Tod hat er Sühne und Versöhnung als Priester und Opfer zugleich - bewirkt und allen freien Zugang zu Gott erschlossen (Hebräerbrief). Dem katholischen Priester, Bischof oder Papst kommt daneben keine Mittlerrolle zu wie etwa in anderen Religionen. Auch sind sie keine modernen Gurus, Psychologen, Heiler oder Ärzte. Ich bin dankbar für ihre Dienste, suche ihre Nähe; mein Glaube hängt aber nicht von ihnen ab und wird durch ihr Versagen nicht erschüttert. Der Missbrauchsskandal betrifft mich trotzdem tief, weil die Kirche ein Ganzes ist, eine Geschwistergemeinschaft. ......
......Von den Bischöfen des Zweiten Vatikanischen Konzils habe ich gelernt, auf die Zeichen der Zeit zu achten. Das am meisten frappierende Zeichen in jüngster Zeit sind die geschändeten Kinder.......Sie standen plötzlich mitten unter uns, als habe Jesus selbst sie, - wie im Evangelium - dorthin gestellt. Sie haben die honorigsten Vertreter unserer katholischen Kirche zur Wahrheit gezwungen (!) ......Mit Entsetzen stellten sie fest: ‚Gegen diese Kleinen des Evangeliums sind wir hoffnungslos unterlegen‘. „Die Sünde existiert im Innern der Kirche“, sagte der Papst. Er macht mir manchmal Angst und ich frage „Quo vadis?“. Aber ich spüre und glaube auch: Gottes Geist ist am Werk in dieser Kirche. Deshalb bleibe ich.
Eine Kirche, die eine Milliarde Gläubigen umschließt, braucht Strukturen, Regeln und Ämter. Aber müssen es die Regeln alter Bürokratien aus absolutistischen Monarchien sein, die dem Evangelium und der christlichen Urerfahrung zuwiderlaufen? Haben wir keine eigenen Regeln? Spüren wir nicht alle, dass Kirche von ihrem Wesen her anders sein müsste. Gibt es nicht das klare Wort: „Bei Euch sei es nicht so!“ (Mk 10,43). Hinter diesen Worten steckt ein total anderes Konzept, als das aus der profanen römischen Geschichte und von der Amtskirche übernommene. Alles hängt davon ab, ob es gelingt, die kirchliche Urerfahrung von der Geschwisterlichkeit und Gleichheit aller im Leben bis in die Strukturen glaubwürdig Gestalt werden zu lassen. Von den Bischöfen unserer Tage, die das alles längst wissen, hätte ich gerne die stille Einsicht: Wir haben uns weit entfernt von der Botschaft Jesu vom Reich Gottes, die da ist: lautere Wahrheit, Geschwisterlichkeit, absoluter Verzicht auf Macht, Gewalt, Druck, Unterwerfung, Geld, Glanz, Glamour und Event. .....
Der Taufritus der ersten christlichen Gemeinden enthielt den für unser christliches Selbstver-ständnis maßgeblichen Text: „Da gibt es nun nicht mehr Juden und Griechen (= griechisch redende Heiden), nicht mehr Knechte (= Sklaven) und Freie, nicht mehr Mann und Frau: nein, ihr seid allesamt Einer (oder: eine Einheit) in Christus Jesus.“ Gal 3,28. ..... Was wäre, wenn wir diesen Text, (der übrigens im neuen Katechismus nicht vorkommen soll!) als Wort Gottes ernst nehmen würden, hier und heute in unserer Stadt.....? Katholisch sein wäre wunderschön.......
.... Die Bischöfe sind für ihr Hören auf den Geist in den Gemeinden, für ihre Entscheidungen und Taten hier und heute, ja auch für ihren Gehorsam gegenüber Rom (!) ihren Gemeinden gegenüber Rechenschaft schuldig - wie Petrus der Gemeinde von Jerusalem (Apg 11,1-18). Der Papst und die Bischöfe haben den sensus fidei zu beachten, d.h. das Glaubensbewußtsein, wie es die einfachen Gläubigen spüren und erleben, die ja Anteil am prophetischen Amt der Kirche und ihrer Irrtumsfreiheit haben......
......Der Gedanke der Geschwisterlichkeit und des Verzichts auf Herrschaft und herrschaftlichen Pomp ist in den frühchristlichen Gemeinde überall präsent, ihm verdankten die Kirchen ihre Anziehungskraft bis ins 5. Jahrhundert. Nur wenn unsere Beziehung zu Papst, Bischof und der amtskirchlichen Bürokratie herrschaftsfrei ist, können wir Brüder und Schwestern werden und werden wieder Menschen anziehen.
Unseren sogenannten ‚Würden- und Titelträgern‘ würden Christen und Nichtchristen großen Respekt und Vertrauen entgegenbringen, und sie und wir alle wären alle viel glücklicher, wenn sie im Tragen von Kleidung und Insignien, im Umgang mit Mitchristen und deren Vertretern auf eitles Machtgebaren verzichten und die eklatanten Widersprüche zu der Wahrheit und Demut Jesu und der Apostel beseitigen würden. Das mag manch einem als illusionär vorkommen, aber so lautet die Verheißung. Darum bleibe ich.
J.W.W.
Zuschrift vom 02.06.2010:
Die derzeitige Situation der Kirche ist sicherlich schwierig und sehr kritisch zu bewerten. Auch ich bin zutiefst erschüttert, in welcher schamlosen und verachtenden Weise in der Vergangenheit und Gegenwart mit Schutzbefohlenen dieser Kirche umgegangen wurde oder wird. Die Vorgehensweise des Papstes in dieser Sache bewerte ich äußerst kritisch, und ich kann gut verstehen, dass die Opfer dieser Situationen sich von der Kirche abwenden. Aber trotz aller Schwierigkeiten, würde ich nicht aus der Kirche austreten. Warum das so ist, hat sicher etwas mit meinem Grundverständnis von Kirche zu tun. Kirche ist für mich nicht ein Gebäude, Kirche ist für mich eine Gemeinschaft von Menschen. Und zu dieser Gemeinschaft gehören alle getauften Christen und nicht nur die Amtskirche. Mit der Taufe bin ich Mitglied dieser Gemeinschaft geworden, und im Sakrament der Firmung habe ich mich persönlich zu dieser Kirche bekannt. Mit dieser Kirche pflege ich eine fast lebenslange Beziehung, für die ich mich verantwortlich fühle. Ich war Ministrant, ich war viele Jahre Sternsinger, ich habe Jugendarbeit gemacht, ich habe Kommunionkinder auf Ihre Erstkommunion vorbereitet und ich lebe meinen Kindern Glaube und Ehrenamt vor. Ich hatte das große Glück, immer Priester und Seelsorger an meiner Seite zu haben, bei denen ich Gemeinschaft und Nächstenliebe erfahren durfte. Es ist wie in jeder anderen Beziehung auch. Man trägt füreinander Verantwortung. Daraus folgt für mich, dass ich bei Schwierigkeiten und seien sie auch noch so groß nicht den Kopf in den Sand stecke oder mich lossage, sondern mit Vertrauen auf Gott, Mut und Einsatzbereitschaft dafür Sorge trage, diese Kirche da zu verbessern und nach vorne zu bringen, wo es mir möglich ist.
Oftmals ist das nicht so einfach, man braucht viel diplomatisches Geschick und jede Menge Geduld. Und in der Regel mahlen die kirchlichen Mühlen langsam. Wenn man aber mal den Blick ein paar Jahrzehnte zurück wendet, muss man zugeben, dass sich die Kirche durchaus geändert hat. Ich wünsche mir von dieser, meiner Kirche, dass wir aufeinander achtgeben, dass wir mit offenen Ohren und wachen Blickes Verantwortung für unsere Kirche übernehmen. Das Gott uns in unserem Handeln füreinander bestärkt und Mut gibt Neuland zu begehen. Und das wir eine Gemeinschaft leben, in der sich jeder geborgen fühlen darf.
M.M.
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Vorangegangene Themen:
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Thema: Fass Mich (Nicht!) An!
Gottesdienste zum Anfassen - wie ist Ihre Meinung dazu ?
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Gottesdienst zum Anfassen
"Gebt einander ein Zeichen des Friedens". Die Aufforderung zum Friedensgruß, zum Schluß des Gottesdienstes der Segen mit Handauflegung. Angefasst werden im Gottesdienst, da graust es vielen Kirchgängern. Andere sagen danach: Ich bin berührt.
Wie geht es Ihnen damit, wenn der Diakon zum Friedensgruß auffordert oder der Segen mit Handauflegung erteilt wird? Ist es Ihnen zuviel oder eher zu wenig an Berührung?
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Copyright: Katrin Binner/Chrismon 01/2009
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Das waren Ihre Meinungen dazu:
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Zuschrift vom 19.03.2009:
Fass Mich (Nicht!) An!
Zufällig(?)bin ich auf diese Site geraten,war "berührt" ...
Ein klares "Ja" von mir zum "Fass Mich An!"
Und: Es ist gut, dass dieses Thema einmal angesprochen wird, auch ich, trotz meines Bekenntnisses,habe dabei unnötige "Bauchschmerzen" ...Keine solchen dürfte der "Segen mit Handauflegung" bereiten, man geht ganz einfach nicht hin!
Anders ist es mit der "Aufforderung zum Friedensgruß"! Hier sind m.E. Risse zu sehen, deren Tiefe man nicht übersehen sollte! Es beginnt schon mit den "Zelebranden" (Hoffentlich ist das die korrekte Bezeichnung!) Schon zu Beginn des Gottesdienstes ordne ich den jeweiligen einer der drei Kategorien zu: "Er wird", "Er wird nicht", "Wird er heute?" ... Kein besonders geglückter Einstieg in die Messfeier! Besonders interessant "der Fall", wo die "Aufforderung nicht e r g e h t" ... Ich schaue sehr genau und voller Sympathie auf die relativ wenigen, die es trotzdem w a g e n !!!
Ich bin dem Verfasser der Zuschrift vom 11.02. ausgesprochen dankbar für seine Formulierungen: "Warum soll ich jemanden die Hand geben, den ich vor der Kirche auch nicht begrüßen würde?" und "Ansteckungsgefahr zu hoch" ...
Ich verschärfe: "Warum soll ich in der Stadt den ((mechanisch!) berührungslosen) Gruß eines Menschen erwidern, nur weil wir "zufällig" die letzten Messen nebeneinander gesessen und zwangsweise Hände geschüttelt haben?" "Wenn ich schon im Geschäftsleben die ausgestreckte Pranke eines Kunden schütteln muss, muss ich mir das auch noch in der Kirche antun?"
Ansonsten beten wir selbstverständlich weiterhin. z.B. "Ich bekenne euch, B r ü d e r u n d S c h w e s t e r n ..." Dolle Familie, richtig real! Wenn wir den "Friedensgruß" also nicht mit mehr Wahrhaftigkeit füllen können,sollten wir ihn dann nicht für eine gewisse Zeit "aussetzen"???
G.K.
Zuschrift vom 17.03.2009:
Jesus hat die Menschen berührt.....die Haut ist das größte Organ des Menschen, Augen können Fenster in die Seele sein, ein Lächeln kann bis ins Herz eines anderen wirken, ein Wort meine Gedanken noch lange begleiten........ wenn wir uns menschlich nahe sind dann sind wir berührt, das Wort meint die tatsächliche Berührung und es meint auch die sinnbildliche, die seelische Berührung.
Ich finde es gut dies im Gottesdienst zu tun. So manch ein Mensch hat am Tag keinen Körperkontakt, keinen zum Reden oder Zuhören, wird nicht mal angelächelt oder angeschaut. Ich glaube, viele gehen anders nach Hause wenn sie sich berührt fühlen. Als der Friedensgruß eingeführt wurde, fand ich es auch befremdlich. Etwas Neues zu tun ist zunächst fremd, Vielen ist es nicht mehr fremd, sondern bereits vertraut.
H.S.
Zuschrift vom 27.02.2009:
Der Meinung meines Vorschreibers kann ich mich nicht anschließen, Ich möchte berühren und ich möchte berührt werden. Gerade im Friedensgruß mit Wildfremden liegt doch die große Hoffnung, dass wir miteinander in Zukunft friedlich zusammenleben können. Ohne Ansehen der Person, voller Respekt vor dem Nächsten - hier liegt unsere Chance. Daher fände ich es schade, wenn es sich nur auf das Ritual beschränkt. Wie schön, wenn mein Gegenüber mich dabei auch noch ansieht. Und bei der Spendung des Segens durch Handauflegung erhalte ich meinen ganz persönlichen Segen, da fühle ich mich wirklich als "Kind Gottes".
A.L.
Zuschrift vom 11.02.2009:
Liebe Martiner,
Gottesdienste zum Anfassen sind nicht mein Ding. Warum soll ich jemanden die Hand geben, den ich vor der Kirche auch nicht begrüßen würde? Außerdem ist mir gerade im Winter die Ansteckungsgefahr zu hoch. Daher möchte ich auf das Händeschütteln mit mir fremden Personen gerne verzichten.
Viele Grüße
Euer Leser
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Thema: Singe, wem Gesang gegeben
Wie halten Sie es mit dem Singen im Gottesdienst?
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"Wozu kommt ihr in die Kirche? Um zu blöken?", schimpfte der Reformator. Am Singen lag ihm viel. Singen tröstet, fand Martin Luther, und schrieb selbst viele Lieder für die Gottesdienste.
Am 7. Juni 1545, dem ersten Sonntag nach Trinitatis, platzte Doktor Martin Luther im Gottesdienst der Kragen. Gerade hatte die Gemeinde das von ihm geliebte und um drei Strophen ergänzte Lied "Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist" gesungen, schimpfte der 61-Jährige los: "Euer Gebrumme und Gemurmele, was ich da gerade wieder hören musste, ist unerträglich. Wozu kommt ihr eigentlich in die Kirche? Um zu blöken?" "Gottesfürchtige Herzen - man kann auch Christen sagen - kommen in die Kirche, um zu beten oder Gott zu danken", donnerte der Reformator durchs Kirchenschiff. Dann setzte er noch einen drauf: "Wenn ihr brüllen, brummen, grunzen und murren wollt, dann geht raus zu den Kühen und Schweinen, die werden euch antworten. Aber verschont die Kirche!"
Diese Anekdote ist in "Luthers Tischreden" zu finden. Dort steht auch, wie der hochmusikalische Gastgeber am Sonntag darauf reagierte, als die Brüder und Schwestern erneut sein Gehör malträtierten: Während des Gottesdienstes marschierte er selbst zornbebend zur Kirche hinaus.
Wie halten Sie es denn mit dem Singen im Gottesdienst?
In manchen unserer Gottesdienste wird erstaunlich gut, sogar mehrstimmig, gesungen, in anderen wiederum läßt der Gesang zu wünschen übrig. Häufig bleiben die Gesangbücher geschlossen. Dabei heißt es doch bei Augustinus: Wer singt, betet doppelt. Musik im Gottesdienst ist gemeinsames Tun aller Anwesenden zum Lobe des Herrn und ein wichtiger Bestandteil der Liturgie.
Warum singen Sie gerne mit bzw. woran liegt es, wenn Sie als Gottesdienstbesucher nicht mitsingen mögen? Gefallen Ihnen die ausgesuchten Lieder nicht, beherrschen Sie sie evtl. nicht oder singen Sie nicht gerne?
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Das waren Ihre Meinungen dazu:
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Zuschrift vom 19.07.2010:
Meine Frau und ich ( 43, 44 Jahre ) kommen in die Kirche in Euskirchen um die Gottesdienste richtig mitzufeiern, dazu gehört neben dem beten auch das singen. Singen befreit, singen tut gut und wenn man das ein oder andere neue Lied nicht direkt kann, dann lernt man es im Laufe der Zeit. Ich selbst war Jahre lang in einem Kirchenchor ( Tenor ) in Nettersheim Pesch und es hat mir großen Spaß gemacht, zur Ehre Gottes zu singen.
Und deshalb macht es mir und meiner Frau großen Spaß, auch hier in den Kirchen mitzusingen. Manchmal wird das eine oder andere Lied für mich persönlich etwas zu schnell gespielt von dem Organisten, aber es sind musikstudierte Leute, die wissen was sie tun .
Ich würde mir wünschen, das möglichst alle Besucher der Gottesdienste kräftig und nach Herzenslust für sich selbst und zum Wohlgefallen und zur Ehre Gottes mitsingen würden.
Fam. Dederichs, Euskirchen
Singe, wem Gesang gegeben
Unsere Gottesdienste spiegeln unseren gelebten Glauben wieder. So wie wir singen und beten in der Kirche, so leben wir unseren Glauben außerhalb. Wer mit seinen Geschwistern in der Kirche nicht sprechen, lachen, Blicke und Gesten austauschen will, der tut dies mit den Mitmenschen im Leben auch nicht. Armer Christ, der nicht einmal das zu verschenken hat.
Wenn wir singen sind wir wie eine Glocke oder Orgelpfeife, alles schwingt und zittert vom Kehlkopf bis in die Füße zurück über die Beine durch den Bauch, den Brustkorb bis in den Kopf: alles klingt, der ganze Mensch, Herz und Lunge, Gemüt, Leib und Seele. Gut, wenn die andern um uns herum alle mitsingen.
Von dem Wenigen, was uns entmündigten Katholiken in zahmen und oft verzagten Gemeinden geblieben ist, nämlich „beten und singen“, ist das Singen von großer Kostbarkeit. Gemeinsam mit den anderen Müttern, Vätern, Kindern, Jugendlichen und Geschwistern unseren Glauben heraussingen, das schwingt zuweilen durch die ganze Woche weiter; oder traurig über eigene Schuld und Schwäche oder von Mitgläubigen den väterlichen Gott laut um Hilfe bitten, das kann manchem zu Herzen gehen; oder Gottes Geist herabrufen in unsere ratlosen Herzen, im Lied gelingt das oft eher als im stummen Gebet. Das können alte Lieder sein, viel häufiger werden es Lieder sein, die aus unserem modernen Empfinden entstanden sind.
Schade, wenn wir dann nur eine oder zwei Strophen singen dürfen, obwohl der Dichter sein Lied doch als Ganzes verstanden hat; schade auch, wenn die 5. Oder 7. Strophe eines Liedes, die halbwegs zu einer Lesung passt, von der Orgel alleine „gesungen“, weil die Melodie nicht bekannt ist; schade wenn Lieder, die von den Gläubigen nie angenommen wurden, hartnäckig vorgeschlagen werden. Dazu gehören z.B. rythmuslose Choral-Imitationen, auch Lieder, die zur Zeit der Liturgiereform eilig von damals namhaften Komponisten geschaffen wurden, aber Fremdkörper waren und blieben oder Jammergesänge wie z.B. manch ein „Lamm Gottes“, die kaum noch einer mit Überzeugung singen kann und die sich wie Frost über die intime Begegnung aller mit Jesus Christus im Mahl legen.
Der Gesang der Gemeinde ist ihr ureigenes Tun - unmittelbar vor Gott, direkt und ohne priesterlichen Mittler. Grundsätzlich soll sie deshalb auch bestimmen, was gesungen wird. Da dies praktisch selten möglich ist, soll derjenige, der Lieder auswählt um viel Sensibilität gegenüber der Gemeinde bemüht sein und wenigstens hier jede Bevormundung meiden. Wenn Gläubige die Gesangbücher lustlos zuschlagen oder Lieder lustlos gesungen werden, dann stimmt etwas mit dem Programmgestalter nicht.
J.W.W.
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Copyright by St. Martin Euskirchen, 2006-2011
Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes: Msgr. Bernhard Auel (Pfarrer),
E-mail: msgr.auel@st-martin-euskirchen.de
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